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Barrierefreiheit

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1. Was ist Barrierefreiheit?

Der Begriff "Barrierefreiheit" beschreibt eine Zielsetzung, die durch den englischen Begriff "Accessibility" (Erreichbarkeit, Verfügbarkeit, Zugänglichkeit) wesentlich konkreter beschrieben wird: Es geht darum, Internetauftritte und ihre Inhalte für möglichst viele Nutzer möglichst zugänglich – accessible – zu gestalten.

Diese Ziel hat mit dem konkreten Interesse jedes Betreibers von Internetseiten zu tun: Wer Inhalte aufwändig und kostenintensiv im Internet publiziert, möchte auch, dass diese möglichst viele Nutzer erreichen. Anderst gesagt: Potentiell erreichbare Nutzer und Interessenten von Webinhalten sollten nicht aufgrund technischer Unzulänglichkeiten ausgeschlossen werden.

Und so bedeutet Barrierefreiheit nichts anderes als die Entwicklung von technisch optimierten Internetauftritten, welche möglichst viele – und auch Menschen mit Behinderungen – nutzen können.

 
 
 Voraussetzungen: validierter Code
Voraussetzungen: validierter Code.
2. Technische Anforderungen

HTML als Grundlage für digitalen Informationsaustausch
Die gemeinsame und internationale Grundlage der Onlinekommunikation ist die Auszeichnungssprache HTML beziehungsweise XHTML. Sie sollte entsprechend gültiger Standards oder Spezifikationen eingesetzt werden, um eine optimale Darstellung der Inhalte durch (fast) alle Browser zu gewährleisten.
Bedeutung und Kennzeichnung von Informationen
Da im Internet eine Vielzahl unterschiedlicher Textinformationen verknüpft werden, ist es unbedingt notwendig, dass die verschiedenen Textarten auch so funktionieren und bezeichnet werden, wie der Nutzer es erwartet: Ein großer Text, der als Überschrift gekennzeichnet ist, sollte auch eine Überschrift sein, ein blauer Text mit Unterstrich tatsächlich auf eine andere Seite führen.
Trennung von Struktur und Design
Die strukturelle und inhaltliche Logik einer Webseite darf nicht durch das Design der Webseite beeinträchtigt werden. Im Vordergrund steht zunächst tatsächlich ausschließlich die Gewährleistung des einwandfreien Informationstransfers.


3. Websites ohne Design?

Tatsächlich war es vor etwa vier Jahren noch nicht möglich, die oben genannten Anforderungen mit einem zeitgleich markengerechten Webdesign zu verbinden.
Gestaltungsmöglichkeiten, die über die Formatierung von Text hinausgehen, waren nicht vorgesehen oder konnten durch die Browser nicht interpretiert werden.
Dieses Dilemma konnte erst mit der Weiterentwicklung der Browser und von CSS (Cascading Style Sheets) gelöst werden.
Das Potential barrierefreien Webdesigns ist damit klar definiert: Es geht um die optimierte Nutzung des Mediums Internet unter Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten, um Informationen möglichst effizient zu vertreiben und damit die größtmögliche Zahl von Nutzern mit oder ohne körperliche Einschränkungen erreicht wird.

 

4. Vorteile
- Optimierte Produktionsprozesse
Barrierefreie Internetauftritte erfordern eine von Anfang an logische Strukturierung der Inhalte. Schon in der Konzeptionsphase entsteht ein solides Grundgerüst, das sich auf alle Folgeprozesse überträgt. Die wesentlichen inhaltlichen Merkmale einer Seite werden früher bekannt und fließen direkt in das Briefing für die Grafik ein. Strukturelle Besonderheiten wie umfangreiche Textinhalte können direkt bei der Entwicklung der Systemarchitektur berücksichtigt werden.


- Klareres und einfach modifizierbares Design
Der Designprozess wird auf die wesentlichen Seitenelemente Links, Überschriften, Navigationselemente ausgebaut. Durch die frühe Kenntnis der verschiedenen Hierarchieebenen der Seite kann der Fokus verstärkt auf die wesentlichen Interaktionselemente gesetzt werden. Es entsteht ein insgesamt modulares Designsystem, welches auch nachträglich Änderungen relativ einfach umsetzbar macht.


- Verbesserte Auffindbarkeit durch Suchmaschinen
Der barrierefreie Seitenaufbau verbessert die Auffindbarkeit und Bewertung durch Suchmaschinen. Wieviele Links verweisen auf die Seite, stimmen die Links mit den Seiteninhalten überein, sind Navigation und Inhalte einheitlich? Nur durch die richtige Kennzeichnung der Informationen und ihrer Hierarchien wird eine optimale Bewertung garantiert, so dass Sie in den Trefferlisten der Suchmaschinen auch tatsächlich gefunden werden.


- Optimierte Seitenperformanz
Von der reinen Informationsmenge her, stellen barrierefreie Internetauftritte den geringst möglichen Datenumfang dar. Dieser resultiert grundsätzlich in eine geringere Auslastung der Serverkapazität, einen geringeren Traffic und eine schnellere Auslieferung der Seite an den Nutzer.


- Ausgabemöglichkeit für verschiedene, insbesondere mobile Endgeräte
Durch Trennung von Struktur und Design entstehen vielfältige Ausgabemöglichkeiten für die selben Inhalte. Mit geringem Zeitaufwand können zusätzliche Designs entwickelt werden, die zum Beispiel für mobile Endgeräte wie PDAs oder Handys optimiert sind. Zudem werden alle gängigen Browsertypen erreicht.


- Erfüllen Internationaler Standards und Zukunftsfähigkeit
Barrierefreie Webdesigns greifen ausschließlich auf zukunftsfähige Technologien zurück. Das heißt dass gewährleistet werden kann, dass die entwickelten Strukturen und eingesetzten Technologien auch noch in künftigen Jahren funktional sind und technisch funktionieren.

 

5. Inhaltliche Barrierefreiheit
Einen Schritt weiter geht die inhaltliche Barrierefreiheit, die auch die inhaltliche Qualität der Internetauftritte einschließt. Im Wesentlichen geht es dabei um eine Bewertung der "Sinnhaftigkeit" und semantischen Korrektheit der Inhalte von Internetseiten: Bleibt die Seite auch verständlich und navigierbar, wenn die Inhalte zum Beispiel nur vorgelesen werden?
Die Bewertungskriterien hierfür wurden durch die WAI ( World Accessibility Initiative) initiiert und reichen von der Eindeutigkeit von Links, wobei der Zielort der Links möglichst eindeutig erkennbar sein sollte, bis hin zur formal richtigen Kennzeichnung und Erklärung von fremdsprachigen Worten.
Dementsprechend aufwändig ist aich das Erreichen der inhaltlichen Barrierefreiheit: Sie erfordert ein hohes Maß an Disziplin und eine gute Fachkenntnis der spezifischen Anforderungen seitens der Redakteure. Insbesondere bei umfangreichen Auftritten mit mehreren hundert Einzelseiten ist das dauerhafte Erreichen aller Bewertungskriterien nur mit großem redaktionellem Aufwand zu realisieren.
Grundlage der inhaltlichen Barrierefreiheit ist in Deutschland die sogenannte BITV (Barrierefreie Informationstechnologie Verordnung ), das seit 2005 geltende Gleichstellungsgesetz der Bundesregierung. Die BITV ist rechtlich bindend für Internetauftritte der Öffentlichen Hand.



6. Fazit
Ziel der Barrierefreiheit oder besser "accessiblen" Webdesigns ist die Optimierung der Onlinekommunikation. Barrierefreihes Webdesign fasst alle Maßnahmen zusammen, die zu einem einerseits schnellen, andererseits aber hochwertig gestaltetem Internetauftritt gehören. Diese wird einerseits durch gemeinsame Standards, andererseits aber durch eine ständige Weiterentwicklung und Optimierung der zur Verfügung stehenden Techniken erreicht.
Auch vor dem Hintergrund der Erschließung älterer Zielgruppen gewinnt die barrierefreie Gestaltung des Internetauftritts eine neue Dimension. Schon allein aus rein ökonomischen Überlegungen sollte daher das Thema beim nächsten Relaunch der eigenen Webpräsenz berücksichtigt werden.